Internationales Transcultura-Symposium: "Die Mathematik in den Kulturen"
Merzig, 19. November 2007
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Das Transcultura-Netzwerk hat sich im Sinne der reziproken Ethnologie immer für die Gegenstände des menschlichen Wissens interessiert, die im Dialog der Kulturen besondere Bedeutung haben. Zu den so bedeutsamen Gegenständen gehört sicher die Mathematik – sie war aber bisher nicht im Zentrum der Betrachtung auf Transcultura-Veranstaltungen. Im Sinne der Vervollständigung des Transcultura-Spektrums lag es daher nahe, sich dem Thema „Mathematik in und zwischen den Kulturen“ zu widmen.
Ein weiterer Anlass dafür ist das ausgehende Jahr der Geisteswissenschaften und das bevorstehende Jahr der Mathematik. Auch wenn man über den wissenschaftstheoretischen Status der Mathematik noch lebhafte Debatten führen kann, ist doch ein wesentliches unbestreitbares Element sicherlich mindestens auch ihr geisteswissenschaftlicher Status. Vielleicht ist es aber gerade auch dies ein Thema, das transkulturelle Aufmerksamkeit verdient und mit Gegenstand unserer Beratungen sein könnte. Erfreulicherweise konnten international anerkannte Mathematiker und Mathematikhistoriker aus verschiedenen Kulturen zur Teilnahme an dem Merziger Symposium gewonnen werden.
Schon in den 60er Jahren wurde von dem englischen Physiker Charles Percy Snow eine Überwindung des Konkurrenzverhältnisses zwischen Geistes- und Naturwissenschaften durch eine integrative 'dritte' Kultur skizziert, die das in den jeweiligen Forschungspraktiken verankerte gegenseitige Nichtverstehen durch einen wissenschaftstheoretischen Dialog ersetzen sollte. Unter dem Titel "Mathematik in den Kulturen" greift das Symposium diese Form der Auseinandersetzung auf und interpretiert sie vor dem Hintergrund der Forschungsaktivitäten des Transcultura-Netzwerks neu.
Die im Rahmen der Tagung vorgestellten Perspektiven zeigen auf, dass auch die Mathematik durch kulturelle Prägungen bestimmt wird und damit auch nicht länger als homogene Wissenschaftspraxis verstanden werden kann. Stattdessen steht die kulturelle Heterogenität und Vielfalt mathematischer Ansätze und Praktiken im Vordergrund. Dabei kommt den Geistes- und Kulturwissenschaften eine zentrale Rolle als Initiatoren und Vermittler neuer Paradigmen zu.
Die Veranstalter möchten mit dieser Initiative ein Forum bieten, in dessen Rahmen auch mit Nutzen für den Mathematikunterricht Fragestellungen der Ethnomathematik erörtert werden. Wir hoffen, dass auf diese Weise vielleicht auch im Sinne einer Verstetigung dieser Arbeit ein Brückenschlag zur Mathematik in Hochschulen und Schulen des Landes gelingt und freuen uns deswegen besonders, dass zahlreiche Gäste aus diesem Bereich bereits ihre Teilnahme zugesagt haben. Unser besonderer Dank gilt auch den Sponsoren, ohne deren Unterstützung dieses Ereignis nicht möglich gewesen wäre.
Gastgeber:
Universität des Saarlandes
Martina Ghosh-Schellhorn
Maximilian Herberger
Tinka Reichmann
Soenke Zehle
Kontakt: Tel.: +49 681 302-2839
transcultura@jura.uni-sb.de
Zum fachlichen Profil
The scientific practices that constitute "mathematics" are human creations. They are the result of multifaceted activities at the heart of diverse societies. To varying degrees, they are therefore inseparable from the cultural dynamics that characterize each of these societies. Considered from this perspective, it is illusory to rank these practices and even less so the scientific traditions within which they were developed, especially when the vast majority of these traditions are themselves based on the cultural inheritance of the societies that preceded them.
Despite these qualifications, it is necessary to continue the exploration of the linkages and possible interactions between these mathematical practices and their respective cultural environments. More concretely, and despite reciprocal influences, mathematics has been practiced for the same reasons and following the same approaches in the societies and eras of the engraving of the Ishango bone (20th millennium BC), the scribes of Egypt and Babylon (2nd millennium BC), Euclid (3rd century BC), Liu Hui (3rd century), Brahmagupta (7th century), Ibn al-Haytham (11th century), Fermat (17th century), Gauss (19th century) and of Terence Tao, one of the four mathematicians awarded a field medal last year.
It is equally necessary to explore two other dimensions of mathematics, those of their place and their role as cultural vectors, across their historical, artistic and even ludic registers.
This is a matter of great contemporary relevance if one is concerned about the role of policy makers in the management of educational systems. The symposium "Mathematics and Culture", held on the occasion of the inauguration of the Transcultural European Observatory in Merzig, aims, through interventions and exchanges, to increase our knowledge of the linkages that exist between the history of these very specialized practices and their respective cultural environments. It also intends to advance our understanding of the cultural dimensions of mathematics in a larger sense, ranging from their role in the education of citizens to the development of the concept of transculturality.
Ahmed Djebbar
University of Lille I
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